Zum Inhalt springen
20.05.2026
MAC Neuigkeiten

Wer heute ausbildet, gewinnt morgen

© auremar | stock.adobe.com

Ausbilden, aufsteigen, weitergeben: Warum die duale Ausbildung das nachhaltigste Bildungsmodell für Österreich ist

„Die Lehre hat ausgedient." Wer das heute noch sagt, verkennt, was sich im österreichischen Bildungssystem gerade grundlegend verschiebt. Dabei hat die Aufwertung schon früher begonnen, als viele denken: Mit dem Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) wurde der Lehrabschluss bereits 2016 offiziell als anerkannte Qualifikation auf Niveau 4 eingestuft – gleichwertig mit vergleichbaren Abschlüssen in ganz Europa. Ein erster, wichtiger Schritt zur Sichtbarkeit beruflicher Bildung.

Seit dem 1. Mai 2024 wurde mit der Höheren Beruflichen Bildung (HBB) ein neues Kapitel aufgeschlagen, das unseren Branchen Rückenwind gibt und unseren Qualifikationen zusätzliche Strahlkraft verleiht. Für Meisterinnen, Meister und Absolvent:innen einer Befähigungsprüfung ist das mehr als eine Reform auf dem Papier: Es ist die formale Gleichstellung beruflicher mit akademischen Bildungswegen und ein klares Bekenntnis zur Praxis.

Der Meistertitel bleibt unangetastet. Die HBB ersetzt nichts – sie ergänzt. Wer den Meisterbrief hat, behält seine starke Stellung und bekommt zusätzlich neue Anschlussmöglichkeiten und ein klareres System darüber hinaus.

Bis dato fehlte im berufspraktischen Bildungsweg eine klare Struktur: Einerseits klaffte eine Ausbildungslücke zwischen Lehrabschluss auf NQR-Niveau 4 und Meisterprüfung auf NQR-Niveau 6. Andererseits endete der berufspraktische Bildungsweg ebendort. Wer höher hinaus wollte, musste bislang ins akademische Lager wechseln.

Der Nationale Qualifikationsrahmen (NQR) ordnet berufliche und akademische Abschlüsse einander zu und macht damit sichtbar, was handwerkliche Qualifikation tatsächlich bedeutet. Der Lehrabschluss liegt auf Niveau 4. Die neue Höhere Berufsqualifikation (HBQ) schließt auf Niveau 5 an. Die Meisterprüfung ist seit 2018 auf NQR-Niveau 6 – formal auf Bachelorebene. Ein starkes Signal folgte erst kürzlich: Abschlüsse als Holzbaumeister:in, Steinmetzmeister:in und Brunnenmeister:in wurden auf NQR-Niveau 7 eingestuft, also auf Masterebene. Das ist Anerkennung für Verantwortung, Komplexität und jahrzehntelange Erfahrung in diesem Gewerk. Und die HBB denkt noch weiter: Mit dem Fachdiplom auf NQR-Niveau 6 und dem Höheren Fachdiplom auf NQR-Niveau 7 entstehen künftig Qualifikationen, die berufspraktische Abschlüsse mit akademischen Titeln wie Bachelor, Master oder PhD gleichstellen, ohne einen Umweg über eine Hochschule.

Was diesen Ansatz besonders auszeichnet: Neue HBQ entstehen nicht am Reißbrett, sondern dort, wo der Bedarf tatsächlich entsteht. Die Branchen setzen die höheren berufspraktischen Abschlüsse auf und reichen diese beim Wirtschaftsministerium ein. Ein aktuelles Beispiel: Die Fahrzeugtechnik entwickelt bereits eine HBQ für Hochvoltsysteme in der Elektromobilität – eine Qualifikation, die direkt auf den technologischen Wandel in der Branche reagiert. Das Prinzip dahinter ist konsequent: Die Branche erkennt den Bedarf, die Branche handelt und schafft damit Qualifikationen, die wirklich gebraucht werden.

Österreichs erste HBB-Qualifikation

Was oft abstrakt klingt, ist längst in der Praxis angekommen. Mitte März luden die Landesinnung der Rauchfangkehrer, die Landesinnung der Installateure und das WIFI Steiermark ins Styria Media Centers, um gemeinsam die erste HBQ Österreichs vorzustellen. Die Rauchfangkehrer starteten als österreichweiter Pionier am WIFI Steiermark mit der „Technischen Beratung für Energieeffizienz". Damit wurde erstmals sichtbar, wie HBB tatsächlich funktioniert: modular, praxisnah und exakt an den Bedürfnissen der Betriebe orientiert.

Die Qualifikation richtet sich an Fachkräfte aus Gebäudetechnik und verwandten Handwerken: Rauchfangkehrer:innen, Elektriker:innen, Heizungs- und Klimatechniker:innen, Hafner:innen oder Installateur:innen. Sie befähigt zur ganzheitlichen Beratung bei Gebäudesanierung, Energieeffizienz und Fördermöglichkeiten – von der Analyse von Energieverbräuchen über die Interpretation von Energieausweisen bis hin zur Ableitung fundierter Maßnahmen, Vertiefungen in Gebäudetechnik, Energiemanagement, erneuerbare Energiesysteme sowie Fördermöglichkeiten. Auch rechtliche Aspekte – Datenschutz, Heizkostenabrechungsgesetz und Ähnliches – sind Teil der Ausbildung. Fachwissen, das in Zeiten der Energiewende stark nachgefragt ist.

Warum jetzt handeln? Der Blick auf die Zahlen

Dieser Rückenwind kommt zur richtigen Zeit, denn der Lehrstellenmarkt steht unter Druck. Ende 2025 zählte Österreich nur noch 102.878 Lehrlinge – ein historischer Tiefstand mit einem Minus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig waren im Jänner 2026 über 3.500 Lehrstellen unbesetzt, während die Zahl der Lehrbetriebe um 3,8 Prozent sank – das entspricht mehr als 1.000 Betrieben weniger.

Die Kosten für Ausbildungsbetriebe sind dabei massiv: bis zu 40.400 Euro pro Lehrling im dritten Lehrjahr. „Die Betriebe investieren insgesamt drei Milliarden Euro in die Ausbildung der Lehrlinge. Wir bekommen derzeit aber nicht einmal ein Zehntel an Förderung dafür“, hebt Bundespartenobmann Mst. Ing. Manfred Denk hervor. Die Budgetmittel für diese Lehrstellenförderung wurden 2023 gedeckelt und nie valorisiert. In wenigen Wochen sind sie ausgeschöpft und ein Förderstopp droht.

„Wir brauchen mehr, nicht weniger Lehrlinge. Die Lehrlinge von heute sind unsere Fachkräfte von morgen", betont WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger hier. Wer heute ausbildet, handelt nicht nur im eigenen Interesse – er sichert Know-how, Qualität und die Zukunftsfähigkeit des gesamten Handwerks. Österreichs Stärke liegt in seinen hellen Köpfen und geschickten Händen.

Das könnte Dich auch interessieren

Willkommen beim Meister Alumni Club

Bitte wählen Sie Ihre Region aus und erfahren Sie mehr über unsere vielfältigen Angebote!